Traditionen der Dachdecker

Der Beruf der Dachdecker blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit ca. dem 13. Jahrhundert wurde das Decken von Dächern zu einem eigenen Beruf erklärt.

 

Dachdecker Kleidung

Die traditionelle Kleidung der Dachdecker wird auch Kluft oder Zunftkleidung genannt. Diese Kleidung ist so geschnitten, dass die Handwerker bequem darin arbeiten können und vor Dreck geschützt sind. Deshalb ist bei Dachdeckern die Kleidung auch meist aus Cord, da dieser Stoff atmungsaktiv und widerstandfähig ist. Diese Kleidung wird selten gewaschen und Schmutz und Staub wird eher abgeklopft oder abgebürstet.

Die Kluft besteht aus einer Schlaghose, einem Hemd (Staude), einer Weste mit 8 Knöpfen (8 Knöpfe= 8 Arbeitsstunden pro Tag), einer Jacke mit 6 Knöpfen (6 Knöpfe= 6 Arbeitstage pro Woche), einem Hut und einem schlipsähnlichen Band, das sich Ehrbarkeit nennt. Die Hosen der Zimmermänner und Dachdecker haben zwei Reißverschlüsse, die ebenfalls auf eine lange Geschichte der Schiffszimmermänner zurückzuführen ist.

 

Wanderschaft

Die Wanderschaft wird auch oft Walz oder Tippelei genannt. Früher war die Wanderschaft notwendig, damit Gesellen mit der Meisterprüfung beginnen konnten. Heute allerdings ist das nur noch ein Brauch, den Gesellen machen, um Berufserfahrungen zu sammeln und neue Kulturen kennen zu lernen. Die Voraussetzung hierfür ist eine abgeschlossene Berufsausbildung im Handwerk. Außerdem darf der Geselle keine Kinder, Schulden oder Vorstrafen haben und muss ledig sein.

Bei der Walz gehen die Gesellen 3 Jahre und einen Tag in ihrer Kluft auf Wanderschaft und dürfen die Bannmeile von 50 km nicht überschreiten. Das bedeutet, dass sie sich ihrem Heimatsort nicht dichter als 50 km nähern dürfen.

Sie erarbeiten sich Unterkunft, Geld und Nahrungsmittel auf den verschiedenen Baustellen auf denen sie arbeiten. Ansonsten haben sie keine eigenen Besitztümer bei sich und dürfen auch zu der heutigen Zeit kein Handy oder Fahrzeug mitnehmen.

Die Wanderer bewegen sich zu Fuß oder per Anhalter fort. Öffentliche Verkehrsmittel sind generell nicht verboten, haben aber einen schlechten Ruf. Flugzeuge benutzen die Gesellen meist im 3. Jahr, um die Welt und weit entfernte Länder zu bereisen.

 

In der Öffentlichkeit muss er immer seine Kluft tragen, um als Wanderer erkannt zu werden. Neben seiner Kluft hat der Wanderer noch folgende Dinge bei sich:

  • Charlottenburger Der Charlottenburger ist ein Tuch, in dem noch eine zweite Arbeitskluft und das Werkzeug eingewickelt wird.
  • Ohrring Der Ohrring wird traditionell mit einem Nagel in das Ohr geschlagen. Früher war dieser Ohrring aus Gold und eine Reserve, falls der Wanderer in Not war oder ggf. seine Beerdigung davon bezalht werden musste. Wenn der Geselle sich nicht ehrenhaft und unwürdig verhält, kann dieser Ohrring herausgerissen werden. In dieser Tradition hat auch das „Schlitzohr“ seinen Ursprung gefunden.
  • Wanderbuch Mit diesem Wanderbuch kann sich der Geselle gegenüber Behörden und Ämtern ausweisen. Darin zu finden sind auch Arbeitszeugnisse von Arbeitgebern. Auch der Stadtstempel aus den besuchten Städten wird hier eingetragen.
  • Stenz An diesem Stock wird der Charlottenburger befestigt. Der Geselle fertigt diesen Stenz selbst her.